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AZ 20050331. Bender, BS14/31
10. März
Am Ende ist es eine Leere, die man spürt.
Den ganzen Tag vollkommen konzentriert sein - und dann mit einem Klaps
entlassen werden. Da ist es wohl nicht verwunderlich, das ich meine eine
Sucht zu verspüren nach dem nächsten Ton, nach der nächsten
Aufnahme, nach dem nächsten Lied. Wie sehr fühle ich mich lebendig,
wenn die Musik mich erfüllt.
Dann ist nicht greifbar, aber alles ganz nah. Dann spüre ich in
mir einen Ton, der unhörbar ist doch alle Töne der Welt vollendet
und keines Klanges bedarf.
Wie das eine Wort, das die Welt erklärt, und nicht gesprochen werden
muss.
Wie die eine Formel, die die Welt erfasst, und auf Notenlinien geschrieben
werden kann.
Da ist eine Welt um mich her.
Ich sehe das Mikrofon vor mir, kann jedes Detail erkennen, jedes Fädchen
des Metallgespinstes, in das ich singe, erscheint mir wahr und solide,
ich sehe die Glasplatte, sehe mich dort gespiegelt und sehe doch auch
die beiden Männer auf der anderen Seite, doppelte Wahrheit.
Unter meinen Händen spürte ich die kalte, harte Metallstange
und mit mehr als Menschensinnen kann ich jeden mikroskopisch kleinen Kratzer
spüren, kann ich jede Ader benennen aus der das Erz geschürft
wurde, ich spüre die Luft, wie sie meinen Körper umströmt,
fühle, wie Wasser auf meiner Haut verdunstet und von der Luft berührt
und weggestreichelt wird.
Ich höre die vollkommenen Klänge meines Liedes, wie das Blut
durch meine Adern fließt, wie mein Herz schlägt, ich kann verfolgen,
wie Gedanken lachend von Synapse zu Synapse springen.
Und doch ... gibt es nur einen Eindruck, der mich erreicht. Ich spüre
mich. Vollkommen.
Ich weiß, wer ich bin. Und ich liebe mich.
Ich spüre, wie ich lebe, ich spüre wie ich ein Ton im Lied
der Welt bin, aber auch die Melodie und der Rhythmus.
Ich erschaffe Welten mit einem Klang.
Und dann meint Daniel: "Der Regler war verklemmt, noch mal."
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