AZ 20050331. Bender, BS 22/31

19. März

Ich erwache in meiner Gruft und fühle mich ... fremd. Die vertrauten Bilder um mich her, der Himmel über meinem Bett, die Sternen und der Mond, die zu mir herunter leuchten. Aber ich fühle mich fremd.

Zum ersten Mal seit über einer Woche atmet niemand neben mir.
Ich schlafe auch nicht gerne allein, stelle ich fest.

Es ist schon spät. Und es ist ganz still.
Niemand ist im Haus unterwegs.
Niemand ist da.
Heute fehlt mir die Pflichterfüllung der letzten Tage, die Struktur, die das Arbeiten im Studio meinem Tag gegeben hat. Irgendwie hat es die Stunden, die sonst einfach verstrichen, mit einem Koordinatensystem aus Längen- und Breitengraden überzogen, das jedem Moment einen Sinn gegeben hat.

Morgen kann ich ins Empire, aber heute Abend ist dort Metal-Party mit Freibier. Nicht meine Baustelle. Vielleicht rufe ich Friedel an, dass wir was zusammen in der Wunder-Bar trinken. Oder wir hocken uns mit ein paar Flaschen bei ihm auf die Bude.

Oder ich rufe Kid an.

Diesen Plan habe ich mir wie ein dunkelrotes Campino bis zuletzt aufgehoben. Ich koste, ich teste die Süße dieses Gedanken. Ich überdenke die Worte, die ich wählen werde: nicht zu lässig, nicht zu cool, aber auch nicht wie ein verliebter Tropf.

Beschwingt setze ich mich, mit einem Leberwurstbrot bewaffnet, an den PC, beginne Texte hineinzuhacken, die in den letzten Tagen in mir geschwärt haben.
Die Gedanken der letzten Nacht werden ein sehr trauriges Liebeslied und ich habe das Gefühl, dass ich dieses vielleicht sogar einmal singen werde.

Schließlich lecke ich ein wenig Butter von meinen Fingern und sehe mir an, was ich geschafft habe. Gut gut.

Klingt gefühlvoll, klingt ehrlich.

Ehrlicher als ich gestern war. Ich habe Kid schon ziemlich angelogen.

Gerade jetzt würde ich sterben für Sex.

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