AZ 20050331. Bender, BS 26/31

23. März

Die Tür öffnet sich.
Ich spüre, wie mein Herz sich zusammenballt, als wollte es gleich in den Himmel hüpfen, aber dann schieben sich 100kg Daniel durch die Tür und die Hoffnung, dass sich Kid oder doch wenigstens Friedel hierher verirrt haben könnten, stirbt einen schnell doch schmerzhaften Tod.

"Na, du siehst ja glücklich aus darüber, dass ich komme", murrt Daniel, der eine Tafel Schokolade auf den Abstelltisch an meiner Seite legt und mich mustert.
Ich habe eine Ahnung davon, wie ich aussehe, und die Musterung tut meinem Ego nicht gut. Ich weiß, dass ich es ganz eindeutig an der nötigen Anmut heute fehlen lasse. Daran ändert es auch nichts, dass die niedliche kleine Koreanerin, die hier die Schwesternschülerin gibt, heftig mit mir flirtet und mir noch häufiger an der Bettdecke zupft als Marcel.

"Ich hab mit ... mit wem anders gerechnet...", murmele ich lahm. Man sollte es sich mit seinem Produzenten nicht verscherzen.
"Wenn du deine Mutter meinst: die wartet draußen."
"Super." Ich reiße mich etwas zusammen. "Ich freue mich jedenfalls, dass du kommst. Was treibt dich in die Provinz?"
"Die Sorge um dich. Schließlich will ich dich in ein paar Tagen auf der Bühne sehen."

Ich erwidere seinen Blick. Gut, dass ich seine Aufmerksamkeit nie mit Sympathie verwechselt habe. Obwohl ich es gerade heute gerne getan hätte. Ich bin ein wenig einsam.

"Ich werde fit sein. Es ist in einer Woche und ich werde übermorgen entlassen. Zeit genug, die Stücke nocheinmal durchzuproben. Wir spielen nicht erst seit gestern zusammen. Wir könnten jeder Zeit auftreten."

"Na gut." Er streicht sich über den Schädel, nickt mir dann zu. "Deine Mutter klang so, als wärst du auf der Schwelle des Todes."
"Unfug. Ein eifersüchtiger Idiot hat mir eine gelangt. Davon stirbt man nicht."

Und wie könnte ich sterben, ohne vorher gelebt zu haben?

 

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